Als erfolgreicher Gründer von Justaloud und den RegioHelden weiß Feliks Eyser worauf Startups besonders achten sollten. Im Interview mit Oliver Gassner erzählt er, auf was er als Geschäftsführer der RegioHelden Wert legt, welche Erfahrungen er selbst mit Gründerwettbewerben gemacht hat und womit sein Unternehmen am meisten Erfolg auf Messen hat.
Oliver Gassner: Hallo Feliks, würdest du dich unseren Lesern bitte kurz vorstellen?
Feliks Eyser: Feliks Eyser, Wirtschaftsinformatiker, Gründer und GF der RegioHelden GmbH.
OG: Und was genau machen die RegioHelden?
FE: RegioHelden ist ein spezialisierter Dienstleiter für lokale Internetwerbung. Das heißt wir helfen Rechtsanwälten, Zahnärzten und Handwerkern dabei über das Internet neue Kunden zu gewinnen.
OG: Und das primär mit AdWords? Oder was benutzt ihr noch?
FE: Genau, AdWords ist der wichtigste Kanal. Daneben bieten wir noch Google Places Management an.
OG: Wenn ich recht verstehe, geht es bei euch momentan rund: Ihr wachst gerade mit wie vielen Mitarbeitern pro Monat an wie vielen Standorten?
FE: Zurzeit betreiben wir 4 Standorte mit ca. 45 Mitarbeitern. Bis März werden nochmal ca. 15 dazukommen. Neue Standorte sind erst für Sommer angedacht.
OG: Wie managt man ein solches Wachstum? Riesenfirmen wie SAP sind ja darauf eingerichtet. Aber ihr?
FE: Learning by doing
Das Wichtigste ist mittlerweile organisatorisch ein starkes Middle Management von Leuten, die jeweils Teams von 3-10 Personen unter sich haben.
OG: Und wie sieht es mit der Qualität der Bewerber aus? Seid ihr da zufrieden oder müssen die massiv geschult werden? Eher Development-orientierte Startups haben da ja echte Engpässe.
FE: Gut, das Schöne bei uns ist, dass wir nicht so stark Development-getrieben sind. Bei uns geht es eher um Sales. Die Quantität der Bewerbungen ist kein Problem (mehrere Hundert pro Monat). Der Engpass ist tatsächlich eher die Qualität. Grundsätzlich suchen wir uns Kandidaten aus, die den richtigen Spirit mitbringen und denen wir die fachlichen Themen antrainieren können. Quasi nach dem Motto “hire for attitude, train for skill”.
OG: Klingt wie eine gute Taktik.
CODE_n ist ein Wettbewerb für Gründer im Bereich ‘mobile’; wie wichtig sind Wettbewerbe und Preise für Gründer?
FE: Wenn die Preisgelder hoch sind ist das eine interessante Maßnahme, um sich im Bootstrapping Modus zu finanzieren. Das haben wir bei meinem vorherigen Projekt, Justaloud, gemacht. Die Publicity und die Kontakte, die als Anreiz immer angepriesen werden, haben uns damals allerdings nicht stark weitergebracht. Bei RegioHelden machen wir aus Zeitmangel nicht mehr bei solchen Wettbewerben mit.
OG: Wenn Du in einer Jury für einen Gründerwettbewerb wärst: Wonach würdest Du bei einem Startup suchen, um es ganz oben auf die Votingliste zu setzen?
FE: Nach einem starken Team, einem nachhaltigen Erlösmodell und einer klaren Marketing-/Vertriebsstrategie.
OG: Es gibt ja eher die Seriengründer-Typen und die Execution-Typen. Serien-Gründer wandern dann oft ins VC oder Angel-Lager ab. Die Execution-Typen werden CEO von was Großem. Was machst du in 5 Jahren? Das 4. Startup oder Angel oder CEO von XING oder Dauerurlaub?
FE: Ich muss ehrlich sagen – darüber mache ich mir heute noch nicht viele Gedanken. Aber als CEO von einem großen Unternehmen, das ich nicht gegründet habe sehe ich mich nicht
OG: Das hast du schön gesagt ![]()
Was brauchen Startups wirklich – wenn wir mal annehmen, dass sie Developer und einen Alpha haben: Connections, guten Rat, Geld?
FE: Was mich am stärksten weitergebracht hat war tatsächlich der gute Rat. Ich kann jedem Gründer nur empfehlen, aktiv den Kontakt zu erfahrenen Mentoren zu suchen und sich permanent Input zum eigenen Geschäftsmodell und der Entwicklung einzuholen. Ich sehe viele Gründer, die sich in Details verrennen oder ihre Aufgaben/Strategien falsch priorisieren. Hier hilft ein erfahrener Blick von außen, um die Entwicklung in der Spur zu halten.
OG: Der Preis für den Sieg bei CODE_n ist ein Ausstellungsplatz, zusammen mit anderen Gewinnern auf der CeBIT, auf einer speziellen CODE_n_Fläche. Was ist Dein Killer-Tipp für ein Startup, wie sie diese Gelegenheit optimal nutzen können?
FE: Aggressives Auftreten
Bei unseren Messeauftritten waren wir am Anfang sehr passiv und haben wenige Leads mit nach Hause genommen. Mittlerweile fahren wir das volle Programm auf: Zauberer am Stand, Gewinnspiele, alle möglichen Arten von Goodies, viel Personal (teilweise 6 Personen bei einem 4 qm Stand) und die Mentalität auf jeden zuzugehen. Auf einer durchschnittlichen Mittelstandsmesse konvertieren wir mit der Taktik bis zu 10% der Besucher zu Leads, die uns ihre Kontaktdaten hinterlassen. Als wir angefangen haben lagen wir bei <1%.
OG: Was macht ihr bei der CeBIT? Ist da überhaupt eure Zielgruppe? Ich kann mir da jetzt schwer Handwerker und Zahnärzte vorstellen.
FE: Richtig, deswegen sind wir dort auch nicht vertreten. Die Messen auf denen wir unterwegs sind, sind relativ klein und nicht sehr bekannt. Dafür aber genau auf unsere KMU Zielgruppe ausgerichtet.
OG: Wenn Du ein Startup (in DACH aber nicht in Stuttgart
) benennen könntest, das wir interviewen sollten: Wer wäre das und warum?
FE: Sprich doch mal mit den Jungs von sofatutor aus Berlin: Ein cooles, sinnvolles Produkt und ein sehr sympathisches Team.
OG: Danke für das Gespräch und deine Zeit.