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JUDITH BÖHM: NEUE NUTZUNGSGEWOHNHEITEN DURCH DAS SMARTPHONE

Für ihren Beitrag „Das Abenteuer deines Lebens – ein Wunschzettel von 2012 bis 2031“ wählte die Jury unseres Blog Contest die Bloggerin Judith Böhm auf den ersten Platz. Im Interview erklärte sie uns anschließend, wie mobile Geräte und Anwendungen ihr Leben verändert haben – und inwiefern Frauen anders mit technischen Innovationen umgehen als Männer.

Judith Böhm SympatexterAndrea Wlcek: Wie und wann kam Ihnen die Idee, Ihren Beitrag zum CODE_n Blog-Wettbewerb in Form eines Briefes an Ihr ungeborenes Kind zu verfassen? Weshalb haben Sie sich für diese Form entschieden?

Judith Böhm: Mein Partner und ich haben schon seit Beginn der Schwangerschaft immer mit dem Baby gesprochen. Wir machen regelmäßig kurze Videos und ich schreibe ein Baby-Tagebuch, das ich meinem Kind irgendwann schenken werde. Auch wenn ich beim Schreiben am Anfang nie so recht weiß, was am Ende herauskommt, wusste ich doch gleich, dass es ein Brief an das Kind werden würde. Nur der Inhalt musste wochenlang reifen. Es war eine Mischung aus der Idee, dass es eine interessante und schöne Art ist, an das im Wettbewerb vorgegebene Thema heranzugehen und aus der bereits seit Monaten bestehenden Gewohnheit, mit dem Bauchstrampler zu reden, ihm meine alltäglichen Erlebnisse, aber auch Sorgen, Ängste und Hoffnungen für die Zukunft mitzuteilen.

AW: Wie würden Sie die Grundessenz Ihres Textes zusammenfassen? Was war Ihnen beim Schreiben des Beitrages inhaltlich am wichtigsten?

JB: Ich mache mir Gedanken, ob ich mit der technischen Entwicklung mithalten kann, um meinem Kind in Zukunft dabei helfen zu können, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und ob ich mir überhaupt anmaßen darf zu wissen, was die richtigen Entscheidungen sind. Inhaltlich war mir wichtig, am Ende einen Text zu haben, der einen Sog entwickelt, damit die Leser ihn gerne lesen, auch zwei oder dreimal, selbst wenn er lang ist. Ich möchte Texte schreiben, die die Leser zum Lachen und Nachdenken bringen oder sie berühren.

AW: Sie prognostizieren, dass Facebook in 14 Jahren so anachronistisch wirken wird wie Yahoo heute. Tatsächlich deutet die große Zahl an Web- und Mobile-Apps, die allein in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt haben, auf eine weitere rasante Entwicklung hin. Was muss eine Newcomer-Anwendung mitbringen, damit Sie persönlich Lust haben, sie auszuprobieren?

JB: Ich muss einen Sinn für mich darin erkennen. Die meisten Anwendungen finde ich persönlich zu umständlich oder einfach nur sinnlos. Zudem sollten sie einfach zu verstehen und zu bedienen sein. Wenn eine Anwendung nicht selbsterklärend und intuitiv zu bedienen ist, verliere ich schnell die Lust daran. Und dann wäre es auch noch gut, wenn ich nicht die Einzige weit und breit bin, die die neue Anwendung nutzt.

AW: In Ihrem Beitrag beschreiben Sie eine Diskussion mit Ihrem Mann um das erste Handy Ihres Bauchstramplers. Inwiefern, glauben Sie, gehen Männer und Frauen unterschiedlich mit Neuentwicklungen im Web- und Mobile-Bereich um?

JB: Mein Partner ist viel schneller, wenn es darum geht, neue technische Sachen auszuprobieren. Ich bin dagegen eher ein Late Adopter (aber Hard User ;-) . Ich frage immer ganz skeptisch, ob wir das denn wirklich brauchen (ob Brotbackmaschine, Amazon Lovefilm, das mobile Tan-Verfahren beim Online-Banking oder eine neue Videokarte). Er besorgt / installiert es dann, zeigt es mir, und ich bin dann immer ganz begeistert. Zudem finde ich es extrem mühsam, mich um Dinge wie Hardware, Tarife und Konfigurationen zu kümmern. Daher ist es toll, dass es für ihn das Größte ist, für mich z.B. das perfekte Smartphone und den perfekten Tarif herauszusuchen und mein Smartphone dann für meine Bedürfnisse einzurichten. Ich hätte mich darum ja nie selbst gekümmert und würde ohne seine Hilfe immer noch mit meinem Nokia-Handy durch die Gegend laufen. Ob man das jetzt auf die Geschlechter im Generellen übertragen kann, weiß ich nicht – denn bei meinen Eltern ist es genau anders herum: Meine Mutter probiert immer die neuesten technischen Dinge aus und hat unserem Haushalt 1999 den Segen des Internets gebracht. Mein Vater meinte ja, so was bräuchten wir nicht… ;-)

AW: Und zum Schluss: Hand aufs Herz, wie viele neue Web- und Mobile-Anwendungen haben Sie persönlich in den vergangenen 24 Monaten angefangen zu nutzen – und welche von ihnen nutzen Sie auch heute noch regelmäßig?

JB: Foursquare habe ich ausprobiert, aber nach einigen Wochen habe ich die Lust daran verloren. Mayor von einem Ort zu werden, ist mir einfach zu wenig, mir fehlt da noch der sinnvolle konzeptionelle Unterbau. Bei meinem RSS Feed schaue ich auch nur noch selten rein. Ein bisschen Facebook-, Twitter- und Blog-müde bin ich auch geworden. Identi.ca habe ich auch nur ein paar Tage benutzt, nur um dann zu Twitter zurückzukehren. Seit einigen Monaten habe ich ein Smartphone (Samsung Omnia 7, Windows Phone) und bin ziemlich begeistert davon. Bisher habe ich nur kostenlose Apps installiert, wie z.B. vorgestern Whatsapp. Ich nutze das Smartphone zum Langeweile vertreiben, Musik hören (Zune), Spielen (was der Windows Marketplace an kostenlosen Spielen hergibt), Lesen, Chatten, Navigieren (Telmap), Informieren, Einkaufen (eBay), Preise vergleichen (am besten per Amazon, da sind dann auch gleich noch die Rezensionen inklusive. Aber dumm nur, wenn es in den Läden dann keinen Empfang gibt, wie in so manchem Saturn / Media Markt / Rewe / OBI etc.) und so weiter. Ein Nebeneffekt vom neuen Smartphone ist allerdings, dass ich meine Spiegelreflexkamera kaum noch in die Hand nehme und auch kaum noch Bilder bei Flickr hochlade. Das Smartphone hat also andere Dinge verdrängt, aber viel wichtiger: Es hat ganz neue Nutzungsmuster geschaffen, ich konsumiere viel mehr Medieninhalte als vorher.

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