Peter Ambrozy erklärt im digitalen Gespräch mit Oliver Gassner warum er Facebook auch gerne als Business-Netzwerk nutzt, wie wichtig Prototypen für Startups sind, wie Startups auf Messen überzeugen können und ab wann ein Startup eigentlich gar keins mehr ist.
Oliver Gassner: Hallo Peter, würdest du dich sich unseren Lesern bitte kurz vorstellen?
Peter Ambrozy: Hallo Oliver. Ich bin der Gründer von edelight.de und Investor der regiohelden.de.
OG: Wir sollten eventuell sagen, dass Edelight Social Shopping macht und Regiohelden lokale Internetwerbung via Google Adwords. Ist Edelight überhaupt noch ein Startup? Oder würdest du euch schon als etablierte Firma bezeichnen?
PA: Edelight ist mittlerweile ein E-Commerce-Enabler, das neben dem Social Shopping-Portal edelight.de auch ein Fashion-Netzwerk tracdelight.com aufgebaut hat. Dort verbinden wir Shops wie z.B. Amazon, Zalando und Co. mit Publisher wie instyle.de, stylebook.de und t-online. Die Regiohelden Beschreibung passt.
OG: Und, ist Edelight noch ein Startup?
PA: Im Kerngeschäft sind wir mit 5 Jahren sicherlich kein reines Startup mehr. da wir aber ständig unser Geschäftsmodell erweitern und gleichzeitig die Startup-Kultur pflegen, würden wir uns noch immer als ein solches bezeichnen.
OG: Woran merkt man den Übergang von Startup zur „Normalfirma“?
PA: Es besteht die Gefahr, dass man sich nur noch mit Meetings und Prozessen beschäftigt und weniger mit Marktpotentialen und Innovationen. Die Leute wirken außerdem “satter”. Wir versuchen daher mental und prozessual schlank zu bleiben.
OG: Was war die App im Web oder mobil, die Deinen Alltag oder Deine Arbeit am meisten verändert hat?
PA: Twitter und Facebook. Twitter ist mein täglicher News-Aggregator geworden. Und durch Facebook kann ich viel authentischer in Kontakt mit meinem Netzwerk agieren als mit Xing.
OG: Kannst du das kurz skizzieren, wie die beiden deine Arbeit verändert haben? Nur was die Firma selbst angeht oder deine ganze Kommunikation als Person?
PA: Twitter ermöglicht es mir extrem effizient wichtige Entwicklungen zu filtern. das mache ich jeden Morgen quasi als Start in den Business-Tag. Facebook hat die Grenze zwischen privat und Business – bezogen auf mein berufliches Netzwerk – gesenkt. Dort lerne ich jetzt nicht nur die Person als Businesspartner, sondern auch als Mensch (Vater, Fußballspieler, etc.) kennen. Davor war die gleiche Person einfach nur Geschäftsführer, Blogger, etc.
OG: Könnte Facebook zum Businessnetzwerk werden?
PA: Jein.
OG: Weil?
PA: Ich bin noch indifferent, ob ich all meine privaten Daten meinem beruflichen Netzwerk mitteilen möchte.
OG: Ich sag immer: Was wirklich privat ist, tippt man eh nicht ins Internet.
PA: Oder es interessiert auch nicht jeden. Wenn ich am WE die Bilder meines Sohnes beim Fußball veröffentliche, dann kann das jemanden auch auf Dauer nerven.
OG: CODE_n ist ein Wettbewerb für Gründer im Bereich „mobile“; wie wichtig sind Wettbewerbe und Preise für Gründer?
PA: Wettbewerbe und Preise sind m.E. wichtig, da sie den Gründern helfen, ihre Idee immer wieder zu reflektieren und sie gleichzeitig unterschiedlichstes Feedback bekommen. Das war für uns extrem hilfreich. Gleichzeitig kann es auch eine gute Einnahmequelle am Anfang darstellen. Wir haben mit justaloud.com ca. 50k Preisgelder gewonnen. Das hilft gerade zum Start.
OG: Wie wichtig ist der PR-Aspekt? Kann das auch User oder gar Investoren bringen?
PA: Ja, das kommt auf jeden Fall dazu. Im Grunde entspricht es einer relativ günstigen, aber sehr zielorientierten PR bzw. Kommunikation.
OG: Wenn Du in einer Jury für einen Gründerwettbewerb wärst: Wonach würdest Du bei einem Startup suchen, um es ganz oben auf die Votingliste zu setzen?
PA: Ich war gerade vor zwei Wochen in der Jury des Startup-Weekends und dort ist neben der Idee als solches, die Umsetzbarkeit und vor allem das Team am wichtigsten. Mit der Umsetzbarkeit meine ich allerdings auch, dass es sich um ein tragfähiges Geschäftsmodell handelt und nicht nur um eine interessante Innovation.
OG: Und wie muss das Team beschaffen sein? Würden zwei Techniker wie Brin und Page nochmal Geld kriegen heute?
PA: Im aktuellen Hype ist das durchaus vorstellbar. Zwei Techis und ein BWLer wären allerdings noch besser.
OG: Größer sollte es anfangs nicht sein?
PA: Drei Gründer finde ich persönlich optimal.
OG: Was brauchen Startups von außen her wirklich: Connections, guten Rat, Geld?
PA: Das kann man so nicht pauschalisieren. Ich denke sie sollten von ihrer Idee nicht nur auf dem Papier überzeugt sein, sondern auch in der Lage, einen Prototypen zu entwickeln und am Markt zu testen. Danach kommt dann eine lange Phase, wo es auf das Durchhaltevermögen der Personen ankommt. An dieser Stelle scheitern viele Teams.
OG: Ich meinte jetzt: Von außen, also brauchen sie mehr Beratung von Angels und VCs oder deren Kontakte oder einfach nur das Geld der Investoren?
PA: Geld von Externen ist gerade für Technologie-Unternehmen natürlich wichtig. Allerdings nicht ab dem ersten Tag. Dies gilt natürlich primär für das Web-Umfeld. Wenn Du eine gute Idee hast, einen funktionierenden Prototypen und erste sinnvolle Markterkenntnisse, dann öffnen sich die Türen von alleine. So war es bei uns. Ach ja. so haben wir es auch bei den Regiohelden gemacht.
OG: Welche Rolle hat es gespielt, dass Edelight irgendwann Teil von Burda war? Vorteile, Nachteile?
PA: Keine wirkliche. Burda besteht aus ca. 80+ rechtlich selbständigen Einheiten. Da sind wir ein externer von vielen. Die Zusammenarbeit mit dem Venture-Arm (Acton Captial) hingegen war sehr hilfreich, da uns das Team inhaltlich jederzeit sehr gut unterstützt hat.
OG: Der Preis für den Sieg bei CODE_n ist ein Ausstellungsplatz zusammen mit anderen Gewinnern auf der CeBIT auf einer speziellen CODE_n-Fläche. Was ist Dein Killer-Tipp für ein Startup, wie sie diese Gelegenheit optimal nutzen können?
PA: Hehe. sag ich dir nicht. Sonst können sich die Regiohelden auf den Messen nicht mehr differenzieren. Nein, Scherz… Attention, Attention, Attention.
OG: Also die Pflänzchen, die Regiohelden verteilt haben sind gut aufgegangen – ich glaub Kresse war‘s, ja?
PA: Die Regiohelden auf einer Messe z.B. einen Zauberer engagiert. das hatte niemand gemacht und prompt war der stand voll. Da das Produkt der Helden ebenfalls super ist, konnten die meisten Personen auch sinnvoll auf das Produkt überführt werden.
OG: Eher halbnackte Sambagirls wie bei der CeBIT? Was war das Coolste, was du bisher bei einem Messeauftritt kleineren Formats gesehen hast?
PA: Halbnackte Menschen gab‘s auch mal auf der demxco. Allerdings kann ich mich nicht mehr an die Firma erinnern. Habe kein positives Erlebnis an eine Messe. Meistens sind es dort die großen Stände, von den großen Marken. Daher musst du ja als kleiner Player mit guten Ideen wie z.B. dem Zauberer auftrumpfen.
OG: Wenn du ein Startup (in DACH aber außerhalb von Stuttgart
) benennen könntest, das wir interviewen sollten: Wer wäre das und warum?
PA: Ist zwar nicht ganz objektiv, allerdings rocken die Helden aktuell extrem und werden m.E. zum schnell wachsensten Startup der Region werden. Ansonten könntest du mal den Gewinner des Startup-Weekends interviewen. PocketGuide (Pocketvillage).
OG: Was machen die genau?
PA: Eine mobile App für lokale Inhalte. Passt ja zu CODE_n.
OG: Danke für das Gespräch und deine Zeit
PA: Danke für die Möglichkeit. Schöne Grüße an den Bodensee.