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MARTIN RÖLL: „Wer was erfinden will, möge was erfinden. Wer was kopieren will, möge was kopieren.“

Martin Röll, Unternehmensberater, Trainer und Coach berät Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen zu unternehmerischen, betriebswirtschaftlichen und strategischen Fragen. Im digitalen Gespräch mit Blogger Oliver Gassner spricht er über rome2rio, Copycats und darüber, was das Kochen im buddhistischen Kloster mit Innovation zu tun hat.

Oliver Gassner: Hallo Martin.

Martin Röll: Hallo Oliver!

OG: Kannst du dich unseren Lesern bitte kurz vorstellen?

MR: Ich bin Martin Röll, Unternehmer, Berater, Coach und Tänzer aus Luxemburg, Berlin und Dresden.

OG: Du warst ja vor einigen Jahren im Web-Consulting sehr aktiv, dann zeitweise im buddhistischen Kloster, dann eine Weile ganz dort. Kannst du beschreiben, wie das Web vorher und nacher ‘anders’ war?

MR: Hinterher war es viel “langsamer”. Ich hatte den Eindruck, dass viel weniger passiert – wahrscheinlich nicht, weil wirklich weniger passiert, sondern nur, weil ich mit mehr Ruhe draufschaute. Ich werde nicht mehr bei jeder Neuigkeit und jedem Tweet nervös. :)

OG: Das heißt, man kriegt gefühlt mehr Mails, wenn man auf die Inbox starrt?

MR: Ah, E-Mail ist anders. Ich bekomme jetzt nur noch ganz wenig E-Mails. Aber das stimmt schon: Das, was man anschaut, wird “größer”. Und manchmal bedrohlicher. ;)

OG: Telefonierst du mehr oder triffst du Leute direkt?

MR: Ja, ich treffe Leute vor allem persönlich. Ich finde, dass im persönlichen Austausch oft viel mehr Dinge passieren können als über Telekommunikation.

OG: Ich fand deine Idee mit Sprechstunden in einem Cafe ganz gut, aber ich hab mich nicht getraut, das umzusetzen. Vielleicht, weil ich nicht in der Großstadt wohnte (und wohne).

MR: Ich glaube eigentlich, dass das in der Kleinstadt oder im Dorf sogar noch besser funktionieren müsste: Da spricht sich das schneller rum: “Oliver sitzt jeden Montag da im Café, und man kommen und sich von ihm helfen lassen.” Man kann sich dann halt nur wirklich nicht mehr verstecken. ;)

OG: Was, würdest du sagen, ist der Unterschied zwischen Innovation und einer (guten, neuen) Idee?

MR: Innovation ist die Umsetzung einer neuen Idee. Die Idee ist der Anfang. Innovation ist die Arbeit. :)

OG: Es entsteht immer der Eindruck, in Europa säßen die Copycats, und die Innovationen kämen aus den USA oder gar Asien. Ist das so? Warum (nicht)?

MR: Tja, woher kommt eine Innovation? Wenn ich ein amerikanisches Blog lese, inspiriert bin, und dann mit einem Team aus Europa, Indien und Korea ein Produkt baue, an welchem Ort will ich dann die Innovation lokalisieren?

OG: Naja, es ist ja wohl eher so, dass in den USA jemand eine Idee schon baut und die in Berlin dann nachgebaut wird, oder in Hamburg oder München.

MR: Ja, und? :)

OG: Was ist daran toll? Ist das keine Verschwendung von Kreativität?

MR: Ich finde, dass das theoretische Fragen sind. Wer was erfinden will, möge was erfinden. Wer was kopieren will, möge was kopieren. Wo auch immer er sitzt.

OG: Was muss gegeben sein, damit aus einer Innovation auch ein Geschäft wird?

MR: Ein Markt. :) , d.h. ein Käufer und ein Ort, an dem sich Innovator und Käufer treffen können.

OG: Und wann ist meine Innovation für den Markt lecker oder auch nur genießbar? Gibt es da Kochrezepte?

MR: Ich war im Kloster drei Monate lang Küchenchef. Ich habe einfach so gekocht, dass es mir gut schmeckte. Dann hat es den anderen normalerweise auch gut geschmeckt. Und wenn nicht, haben sie was gesagt.

Das dürfte ein Prinzip für jede Art von Innovation oder überhaupt Produktentwicklung sein: Erstmal das tun, was für einen selbst gut ist. Dann es anderen anbieten. Aufmerksam den Rückmeldungen lauschen. Und genau entscheiden, wann man denen folgt und wann nicht.

OG: Was ist das Faszinierendste, das du in letzter Zeit an Innovation gesehen hast? On- oder offline.

MR: Kickstarter, und generell alles, das den Prozess von Gute-Idee-zu-Produkt-Entwickeln unterstützt.

OG: 2005 hast du zusammen mit Rainer Wasserfuhr über die Zukunft des mobilen Networking philosophiert. Heraus kam etwas, das wie ein Mix aus XING-Handshake und Foursquare klingt – also etwas aus 2010/2011: http://www.roell.net/weblog/archiv/2005/10/12/bahnopenbcplazes.shtml Magst du mal 5 Jahre in die Zukunft schauen? Was wird dann gehen?

MR: Schlimm, dass es sowas immer noch nicht gibt, oder? Also, ich behaupte: In 5 Jahren haben wir einen vernünftigen Location-Based-Service, der uns Leute in unserer Nähe anzeigt, mit denen wir das tun können, was uns gerade wichtig ist. Und endlich eine vernünftige vollständige Reiseverbindungssuchmaschine, so wie http://www.rome2rio.com/ und http://hipmunk.com/ und http://bahn.de/ zusammen.

(http://www.rome2rio.com/ und http://hipmunk.com/ sind cool übrigens. Die gehören noch zu den faszinierenden Innovationen. Das hätte ich jetzt noch gerne mit Xing gepaart: “Wenn Du schon von A nach B, reist, dann mach doch einen Umweg über C – das ist billiger und dort wohnt noch X.”)

OG: Also irgendwas, das mich von Haustür zu Haustür mit ÖPNV und Bahn/Flug, routet, suche ich in der Tat auch ;) – Muss man eigentlich kreativ sein?

MR: Nee, muss man nicht.

OG: Warum nicht?

MR: Atmen muss man. Essen und Trinken und sich entleeren. Alles andere ist optional. Ist wahr, ich hab’s ausprobiert!

OG: Und wann bist du am ehesten kreativ?

MR: Ohne Stress, wenn das Gehirn Zeit hat, sich neu zu ordnen. Unter der Dusche kommen die meisten Ideen, aber die taugen meistens nichts. Die Ideen, die dann wirklich greifen, kommen in alltäglichen Situationen, mit einer guten Balance von Arbeit und Muße.

OG: So, jetzt zu den schweren Entscheidungen ganz am Schluss: iOS oder Android, Facebook oder Google+?

MR: Haha, weder/noch und Facebook natürlich

OG: Warum? Ist Google untalentiert in Social?

MR: Ich finde G+ ganz grässlich. Meine Freunde sind keine “Kreise”.

OG: Sind alle deine Kontakte deine Freunde? Bei mir ist das nicht so. Nirgends.

MR: Nö. Aber meine Kontakte sind auch keine “Kreise”. Das ist einfach eine Metapher, die für mich nicht greift.

OG: In Facebook sind sie Listen – die keiner benutzt. Aber das ist wohl wirklich eine Geschmacksfrage. Danke für das Interview ;)

MR: Ich hab schöne, lange und gut gepflegte Listen im FB. :) Gerne!

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